Wie der Iran Twitter-User überwacht

29 06 2009

Das iranische Regime kontrolliert die Kommunikation der Bevölkerung mit denselben Systemen zur Mobilfunküberwachung, die in Europa zur Strafverfolgung eingesetzt werden. Nokia Siemens Networks dementiert, bei der Internet-Kontrolle geholfen zu haben, aber die von NSN gelieferten Systeme können problemlos alle Daten tracken und analysieren, die über SMS-Gateways an Twitter geschickt werden.

Nokia Siemens Networks (NSN) hat am Dienstag dementiert, Ausrüstung zur Zensur und Überwachung des Internets, insbesondere Switches zur “Deep Packet Inspection” und Internet-Zensur an den Iran geliefert zu haben. Das Unternehmen reagierte damit auf einen Bericht des “Wall Street Journal” vom Montag.

Man habe nur “Monitoring-Center” zum Zweck von “Lawful Interception” (gesetzesmäßiger Überwachung), die im European Telecommunications Standards Institute (ETSI) standardisiert worden sei, an den Iran geliefert. Letztere wurden in den 1990er Jahren unter der Ägide westlicher Geheimdienste entwickelt.

Eine derartige Funktionalität sei im Übrigen in fast allen Mobilfunknetzen weltweit gesetzlich vorgeschrieben, das sei auch im Iran der Fall, heißt es auf der Website von Nokia Siemens.

SS7 statt TCP/IP

Das liest sich großteils durchaus plausibel. TCP/IP-Anwendungen, die auf dem Interprotokoll basieren, haben seit jeher weder zur Kernkompetenz von Siemens noch von Nokia gehört.

Beide Firmen sind vielmehr seit Jahrzehnten Hersteller von Telefonienetzen oder “Circuit Switched Networks”, die ein gänzlich anderes Protokoll benutzen, das eigentlich nicht einmal ein “Protokoll” ist, sondern ein “Signalsystem” (“Signalling System” alias SS7).

Was Monitoring-Center können

Dieses System transportiert digitale Sprachpakete für Festnetz und GSM sowie SMS, die über denselben Kanal wie etwa die Teilnehmerkennung (IMSI) und Standortdaten geschickt werden.

All das können die von Siemens und anderen Herstellern seit Mitte der 1990er Jahre entwickelten Überwachungszentralen (Monitoring-Center) aus dem Datenstrom abgreifen und mit den dazu gelieferten Programmen speichern, ordnen und analysieren.

Bereits in den 1990er Jahren hieß es in einer Produktbroschüre, das Siemens Monitor Center könne 10.000 Anschlüsse gleichzeitig überwachen und sei “flexibel erweiterbar”.

In einem neueren Prospekt ist vom Anschluss von Raid-Systemen, also ausfallsicheren Speichergeräten, zur Massenspeicherung von Daten die Rede (siehe die Links weiter unten).

Kommunikationsprofile

Von jedem Telefonanschluss – Festnetz oder mobil – lassen sich binnen kürzester Zeit Kommunikationsprofile erstellen, die auf aggregierten Datensätzen basieren: wer mit wem wann wo wohin telefoniert oder SMS ausgetauscht hat.

SMS können problemlos automatisch kopiert und in Datenbanken abgelegt werden, ebenso lassen sich Gespräche live mitschneiden, wobei Letzteres die große Ausnahme ist.

Twittern aus dem Iran

Es ist deshalb davon auszugehen, dass alle SMS, die aus dem Iran über Handys und entsprechende Gateways an die Kurzbotschaften-Webplattform Twitter hinausgehen, im System des staatlichen iranischen Mobil- und Festnetzbetreibers TCI von NSN-Technologie im Volltext erfasst, dann in einer Datenbank abgelegt und einer Mobiltelefonnummer bzw. der IMSI zugeordnet werden.

Das gehört nämlich zu den Basisfunktionen jedes Monitoring-Centers, egal ob dieses von den einschlägigen Anbietern NSN, Ericsson und Verint oder anderen stammt.

Das Monitoring-Center dockt an die im europäischen Telekom-Standardisierungsinstitut ETSI spezifizierten Überwachungsschnittstellen an. Was dann dort abgegriffen werden darf, hängt sozusagen von den jeweiligen rechtsstaatlichen Prinzipien in der Praxis ab.

In einem Land wie dem Iran, wo der Empfang von Satelliten-TV verboten und das Internet eigentlich ein Intranet ist wie in China, sind diese Überwachungsschnittstellen zu den Telefonienetzen durchgeschaltet.

Evolution des Monitoring

Dazu kommt, dass die Monitoring-Center in Telefonienetzen längst keine Stand-alone-Produkte mehr sind, sondern in umfassenderen Überwachungssoftware-Paketen aufgingen.

Die führen die Daten des Internet-Verkehrs mit den Telefoniedaten zu einem Kommunikationsprofil zusammen. So ein Produkt hat bis März dieses Jahres auch Nokia Siemens Networks angeboten.

Ausgehend von den Verkehrsdatensätzen (Mobilfunk, Telefonie) integriert die “Intelligence Platform” alle nur denkbaren Arten von Datensätzen: Bewegungsprofile jedes Mobiltelefons, aber dezidiert auch “Internet-Logfiles”, Kontodaten, Fingerabdruck-Datensätze oder solche aus Sozialversicherung und Gesundheitssystemen, um nur ein paar zu nennen.

Kurzum: alles, was eines Geheimdienstmannes Herz begehrt.

Monitoring aus München

Das von Siemens München ursprünglich entwickelte Produkt wurde, von den Telefoniedatensätzen ausgehend, immer mehr erweitert, das Monitoring-Center ist so nur noch eines der Module der “Intelligence Platform”.

“Parallele Produktlinie zum Siemens Monitoring Center” heißt es denn auch in der Produktpräsentation, als Benutzer sind “Intelligence Officers and Analysts” vorgesehen (Folie 12, siehe die Links unten).

Über den Ladentisch

Eine Novität stellt die “Intelligence Platform” insofern dar, als derartige Set-ups von Herstellern nicht “über den Ladentisch” angeboten werden.

Alle großen Nachrichtendienste verfügen längst über derartige Suites, die aber allesamt selbst aus verschiedenen Komponenten von Zulieferern wie IBM, Oracle, Cisco und einer Anzahl von kleineren Firmen zusammengestellt wurden. Das sind Datenbanken, Programme zur Datenstrukturierung, -analyse und Mustersuche, Speichermodule usw.

Die “massiven” Kommunikationsdatensätze aber werden eben von Monitoring-Centern für Telefonie oder von 10-Gigabit-Switches, die an den zentralen Internet-Knoten hängen, zugeliefert.

Die Adressaten

Letzteres war und ist weder das Geschäft von Nokia noch Siemens, wobei die Deutschen die Telefonieüberwachssysteme in das Joint Venture mit Nokia eingebracht hatten.

Die Adressaten des Produkts “Intelligence Platform” sind jedoch klarerweise Geheimdienste in Schwellen- und Entwicklungsländern, die bis jetzt nicht das Know-how beziehungsweise die Zeit oder die Mittel hatten, derartige Suites aus Einzelkomponenten selbst zu entwickeln.

Modulare Bauweise

Diese “trend-setting intelligence solution” werde sowohl als “Anfangssystem in Minigröße” ausgeliefert als auch in “Datencenter-Dimension im Terabyte-Bereich”, heißt es im Prospekt.

Ausgeliefert wird diese Suite jedenfalls nicht mehr von Nokia Siemens. Das Unternehmen hat auf seiner Website bekanntgegeben, die Sparte “Intelligence Solutions” mit 31. März an den Fonds Perusa Partners verkauft zu haben. Der ist in München ansässig, eben dort, wo in den frühen 90er Jahren die Entwicklung des ersten Siemens-Monitor-Centers für GSM-Netze begonnen hatte.

Seit Dienstag läuft eine Anfrage von ORF.at bei NSN, welche Überwachungskomponenten nun genau in den Iran geliefert wurden und ob diese Module denn auch Teil der “Intelligence Platform” seien.

Rechtevergabe

Was die Versicherung von Nokia Siemens Networks betrifft, bei der Implementierung strikt nach den ETSI-Standards vorzugehen, so ist die im Grunde ebenfalls wenig beruhigend. Quer durch Europa weisen technisch gesehen alle Mobilfunknetze aus der GSM-Familie dieselben Schnittstellen auf wie jene im Iran.

Dahinter befindet sich großteils das nämliche Basisequipment, von welchem Hersteller auch immer. Der einzige strukturelle Unterschied zwischen Europa und dem Iran ist die Rechtevergabe: wer wann unter welchen Umständen auf welche Datensätze zugreifen darf.

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Bloggen in der islamischen Welt

29 06 2009

Westliche Massenmedien stellen die Blogosphäre islamischer Staaten gern entweder als Hort finsterer Terroristen oder als Keimzelle der Meinungsfreiheit in autoritär regierten Ländern dar – je nach Bedarf und politischer Großwetterlage. Eine ausführliche Studie des Berkman Center der Universität Harvard präsentiert nun ein Bild jenseits der Stereotypen.

Durch die Proteste gegen das mutmaßlich manipulierte Ergebnis der Präsidentschaftswahl im Iran wurde für die breite Öffentlichkeit deutlich, dass Plattformen wie Twitter, Facebook, YouTube und Blogs auch in der streng kontrollierten Islamischen Republik eine wichtige Rolle spielen – vor allem bei den jungen Hauptstadtbewohnern.

Das Berkman Center for Internet & Society der Uni Harvard in Cambridge hatte schon im April 2008 eine Studie über die Online-Öffentlichkeit im Iran publiziert. Die Studie fand einen großen Diskussionsraum aus 60.000 aktiven Blogs vor, die sich trotz der restriktiven Gesetze des Landes neben Alltagsthemen, Religion und Kultur auch mit Politik beschäftigten.

Studie über arabische Blogosphäre

Nun ist im Rahmen des “Internet & Democracy Project” des Berkman Center, das die Auswirkungen des Internets auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Prozesse behandelt, auch eine Studie über die Blogosphäre im arabischen Sprachraum erschienen, zu der der Iran freilich nicht gehört.

Für die Studie “Mapping the Arabic Blogsphere: Politics, Culture and Dissent” haben die Autoren Bruce Etling, John Kelly, Robert Faris und John Palfrey ein komplexes Netzwerk von Blogs aus mindestens 18 arabischsprachigen Ländern und von Arabisch schreibenden Autoren, die außerhalb ihrer Heimatländer leben, untersucht.

Insgesamt wurden dabei rund 35.000 arabischsprachige Blogs und mehrere tausend Blogs, deren Autoren gemischt auf Arabisch, Englisch und Französisch publizieren, identifiziert. Davon wurde bei den 6.000 meistverlinkten Blogs eine automatische Textanalyse mittels Computerprogramm erstellt, 4.000 Blogs wurden zusätzlich von Menschen kodiert.

Keine Plattform für Terroristen

Die wohl wichtigste Erkenntnis für die US-Studienautoren: Die Blogosphäre im arabischen Raum ist entgegen der zeitweisen medialen und politischen Darstellung im Westen keine Plattform für Terroristen und radikale Islamisten. Von den mehr als 4.000 im Detail untersuchten Blogs äußerten weniger als ein Prozent explizite Unterstützung für Terrorismus, 19 Prozent waren sogar dezidierte Kritiker.

Kritik am Terrorismus ist sogar zweithäufigstes Thema der untersuchten Blogger. Der politische Islam wird ebenfalls nur von einem Prozent der Blogger unterstützt, neun Prozent kritisieren ihn. Eine interessante Erkenntnis der Studie ist auch, dass die USA sowie die Kriege im Irak und in Afghanistan selten Thema der Blogger sind. Wesentlich häufiger beschäftigen sie sich mit der Politik im eigenen Land und der Kritik daran.

Komplexität und Vielfalt

Auffallend ist auch, dass die arabische Blogosphäre keine homogene Erscheinung ist – wie auch der arabische Raum keine Einheit bildet, sondern überaus heterogen ist. Die untersuchten Blogger vernetzen sich vor allem innerhalb der eigenen Länder. Einzig Blogger aus der Levante (Israel, Libanon, Jordanien und Palästinensergebiete) und ihre irakischen Pendants pflegen starke Verbindungen zu Thinktanks, Journalisten und politischen Aktivisten in den USA.

Ein politisches Thema, das die arabische Blogosphäre im Untersuchungszeitraum April 2008 bis März 2009 am meisten interessierte und bewegte, war der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern und vor allem die Vorgänge in Gaza. Möglicherweise lag das auch an aktuellen Ereignissen, die grundsätzlich sehr häufig Anlass für Blog-Einträge sind, denn zur Jahreswende 2008/2009 gab es Militäraktionen im Gazastreifen.

YouTube meistverlinkt

Ein interessantes Ergebnis der Studie des Berkman Center ist auch, dass die arabischen Blogger am häufigsten auf die gleichen User-Generated-Content-Websites verlinken wie die Blogger im Rest der Welt. An erster Stelle stehen YouTube und Wikipedia. Das meistzitierte YouTube-Video der arabischen Blogosphäre ist allerdings nicht das eines Comedian oder Popkulturstars, sondern das Musikvideo “We will not go down (Song for Gaza)” des US-Amerikaners Michael Heart, in dem Bombenangriffe, Verwundete und Demonstranten in Gaza zu sehen sind.

An zweiter Stelle der meistverlinkten YouTube-Videos steht jenes vom Schuhwurf des irakischen Journalisten Muntadhar el Saidi auf George W. Bush in Bagdad im Dezember 2008.

Beliebte Themen

Popkultur – also Popmusik, Filme und Fernsehen – ist grundsätzlich selten Thema der arabischen Blogger. Entsprechend den kulturellen Traditionen wird eher über Literatur, Poesie und Kunst diskutiert und kommentiert, viele Blogger veröffentlichen auf ihren Sites auch eigene Gedichte. Ein beliebtes Thema ist auch die Religion, wobei es oft um persönliche Fragen und Erfahrungen geht. Die Auslegung des Koran sowie Kritik an anderen Religionen werden aber eher nur in dezidiert religiösen Blog-Kreisen diskutiert.

Menschenrechte wie Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit sowie die Rechte und Stellung der Frauen sind ebenfalls häufige Themen von Blog-Einträgen – häufiger als in anderen Ländern. Viele Bloggerinnen und Blogger schreiben auch über Privates, meist in Tagebuchform, allerdings eher selten über Beziehungen, Liebe, Kinder und Familie.

An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass Blogs die öffentliche Sphäre der Online-Welt darstellen, und nicht die bedeutendste. Im arabischen Raum beliebter sind Foren, Chatrooms und Soziale Netzwerke, die eine privatere Form des Kontakts zwischen Freunden und Gleichgesinnten bieten.

Mut zur Öffentlichkeit

Der Nahe Osten gilt nach Analyse der Weltbank, der Vereinten Nationen, Freedom House und der Economist Intelligence Unit als am wenigsten frei in Bezug auf Demokratie- und Regierungsindizes. Es sei erstaunlich, dass die Blogger im arabischen Raum trotz eingeschränkter Meinungsfreiheit und obwohl in mehreren Ländern wiederholt einige von ihnen im Gefängnis landeten, in der Mehrzahl (64 Prozent) ihre richtigen Namen verwenden und nur rund 36 Prozent ein Pseudonym angeben oder anonym publizieren, so die Studienautoren.

Wenig überraschend ist hingegen, dass die arabischen Blogger in erster Linie männlich und jung sind. Die Frauen haben in der arabischen Blogosphäre aber immerhin einen Anteil von 34 Prozent, in Saudi-Arabien sogar von 46 Prozent.

Internet-Nutzung bedeutet nicht Demokratie

In ihrer Conclusio schreiben die Studienautoren, dass die westliche Vorstellung, das Internet im arabischen Raum sei von Terroristen bevölkert, genauso wenig stimme wie die Vision anderer, das Internet würde westliche Werte und Demokratie in die arabische Welt tragen. Ihre Untersuchung zeige, dass das Internet tatsächlich politische Bewegungen unterstütze, weil es eine Infrastruktur für Minderheitenmeinungen biete und die politische Mobilisierung vereinfache. Es biete damit eine gute Grundlage für den Wettkampf der Ideen, bevorzuge dabei aber nicht grundsätzlich die demokratischen.

Die Auswirkungen des Internets auf die Zivilgesellschaften und demokratische Prozesse seien wesentlich differenzierter, wie das Beispiel der radikalislamischen Muslimbruderschaft erahnen lasse: Die Muslimbrüder, deren Aktivitäten in Ägypten verboten sind, erweisen sich als sehr aktive Blogger und haben im Web eine Auseinandersetzung über Glauben und Menschenrechte und über Reformen innerhalb der eigenen Bewegung gestartet. Die Studienautoren vom Berkman Center for Internet & Society ziehen daraus einen wesentlichen Schluss: “The Internet does not just promise (or threaten) to change the balance of power among players on the field, it changes the field and changes the players too.”





Iran: Kommunikationsnetze fest im Griff

29 06 2009

Die Teheraner Führung hat bereits seit einer Woche alle Kommunikationsnetze nahezu vollständig wieder unter Kontrolle. Die Freigabe von SMS war eine Falle, Twitter benutzte man zur Desinformation. Eine der wenigen verbliebenen Quellen ist das staatliche englischsprachige Press TV.

“Neda wurde in der Teheraner Innenstadt mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen”, wie sie bei der Polizei nicht in Verwendung sei, sagte die Sprecherin des staatlichen iranischen Nachrichtensenders Press TV am Sonntag Nachmittag.

Dann wurden zwei Augenzeugen aufgeboten, deren einer als jener Autofahrer vorgestellt wird, der die Sterbende ins Krankenhaus gefahren hatte. Die andere Person war nach Angaben des Senders Musiklehrer und Begleitperson der Getöteten.

mehr: http://futurezone.orf.at/stories/1609876/





Serienweise Filmchen für das Netz

22 06 2009

In den 1990er Jahren wurden Versuche, das klassische TV-Serienkonzept ins Web zu übertragen, noch belächelt. Es fehlten die dazu notwendigen Technologien und Bandbreiten. Doch nun erleben professionell hergestellte “Webisodes” einen kleinen Boom, und Produktionsfirmen wittern ein lukratives Geschäft mit Werbung.

Bereits 1997 stellten die Macher der US-Krimiserie “Homicide” eine eigene Spin-off-Serie fürs Web her, die parallel zum Inhalt der Fernsehsendung entwickelt wurde. Das war lange bevor es Breitband gab und erreichte deshalb auch nicht genug Publikum, um erfolgreich sein zu können.

Für kürzere Aufmerksamkeitsspannen

Mittlerweile haben sich die technischen Voraussetzungen geändert, und es gibt immer mehr Serien und Formate, die eigens für das Web produziert werden. Diese Webserien begleiten und bewerben oft Fernsehserien – wie “24”, “Battlestar Galactica” und “Lost” – oder lehnen sich in ihren Inhalten und ihrer Erzählweise an Fernsehserien an.

In einem wesentlichen Punkt unterscheiden sie sich allerdings von diesen: Die einzelnen Episoden, auch “Webisodes” genannt, sind bedeutend kürzer und in der Regel nur wenige Minuten lang – ideal für die notorisch kurzen Aufmerksamkeitsspannen im Internet.

Die meisten Webserien werden in den USA produziert und spielen auch dort. Herausragend ist hier etwa “Prom Queen” (Ballkönigin), das mit über 20 Millionen Zusehern in der ersten Staffel zu den bis dato weltweit erfolgreichsten Webserien zählt. “Prom Queen” wurde von Vuguru entwickelt – einer ausschließlich auf Webserien spezialisierte Produktionsfirma, die der ehemalige Disney-Chef Michael Eisner leitet.

 

Deutsche Serie “Candy Girls” erfolgreich gestartet

Seit etwa einem Jahr werden allerdings auch im deutschsprachigen Raum vermehrt TV-ähnliche Formate speziell fürs Web entwickelt. Etwa die in Berlin produzierte und gedrehte Webserie “Candy Girls”, deren – aus 20 fünfminütigen Folgen bestehende – erste Staffel sich über zwei Millionen Zuschauer angesehen haben.

“Candy Girls” wurde nicht von innovativen jungen Filmemachern produziert, sondern von der in Berlin ansässigen Produktionsfirma Me, Myself & Eye Entertainment (MME), die eine Reihe von bekannten Fernsehformaten entwickelt hat, unter anderen “Zwei bei Kallwas”, “Bauer sucht Frau” und das Musikmagazin “Tracks” für den Kultursender Arte.

Nach dem Erfolg der “Candy Girls” hat MME Anfang dieses Jahres noch eine zweite Webserie gestartet: “Deer Lucy”, das die Geschichte einer jungen Sängerin erzählt, die nach Berlin zieht, um dort ihr Glück, die Liebe und künstlerischen Erfolg zu finden.

Marktentwicklung hängt von Werbepartnern ab

Werbung und Werbepartner sind ein wichtiger, oftmals auch entscheidender Faktor bei der Produktion und Finanzierung von Webserien. Die weitere Entwicklung in diesem Bereich wird auch wesentlich davon abhängen, ob die Werbewirtschaft das neue Genre für sich entdeckt und wie sie es fördern wird.

Das Problem bei Videoplattformen und Sozialen Netzwerken war bisher, dass die dort angebotenen und konsumierten Inhalte den Firmen zu amateurhaft und unberechenbar waren. Welche Marke möchte schon gern unmittelbar neben Hoppala- oder Prügelvideos wahrgenommen werden? In einem Umfeld zugleich populärer und professionell produzierter Inhalte treten Marken da schon lieber auf – und Webserien erfüllen diese Anforderungen ideal.





URL-Shortener: Kurzer Prozess

22 06 2009

Dienste wie Tinyurl.com und Bit.ly machen Schluss mit ellenlangen Links. Twitter brachte diesen Diensten unzählige neue Nutzer ein. Venture-Kapitalisten sehen darin bereits jetzt neue Web-2.0-Wunderkinder. Doch die kurzen Links haben auch ihre Kritiker.

Alles begann mit einem Balanceakt. Als Webmaster eines Forums für Einradfahrer hatte Kevin Gilbertson immer wieder mit überlangen Links zu kämpfen. Unverändert wiedergegeben hätten diese Links das Layout seines Forums zerstört. Mit erzwungenem Zeilenumbruch kam es dagegen zu Problemen beim Copy & Paste. Gilbertson entschied sich deshalb 2002 für einen dritten Weg: Er startete ein Web-Angebot, das automatisch kurze und griffige Weiterleitungsadressen für lange Links erstellte.

Seine Website hörte auf den Namen Tinyurl.com, und die Idee dieser kurzen Links verbreitete sich wie ein Lauffeuer. E-Mail-Nutzern gefiel, dass sie diese kompakten Adressen ohne weiteres an Freunde und Bekannte weiterleiten konnten. Web-Foren lösten damit ähnliche Probleme wie Gilbertson und seine Einradfahrer. Und Chat-Teilnehmer hatten endlich die Möglichkeit, Links auszutauschen, ohne mit ellenlangen Netzadressen den Gesprächsfluss zu stören.

Bei Twitter zählt jedes Zeichen

Tinyurl.com hat seit 2002 mehr als 240 Millionen Links gekürzt. Jeden Monat verzeichnet der Dienst mehr als zwei Milliarden Zugriffe auf diese Websites. Lange Zeit hatte Tinyurl.com damit ein Beinahemonopol. Doch in den letzten Monaten sind plötzlich zahlreiche Angebote im Netz aufgetaucht, die sich ebenfalls kurzen und griffigen Links verschrieben haben.

Auslöser der Schwemme dieser “URL-Shortener” ist die wachsende Popularität des Microblogging-Diensts Twitter. Nachrichten sind bei Twitter auf 140 Zeichen beschränkt. Twitter-Nutzer sind deshalb auf Dienste wie Tinyurl.com angewiesen, um zusätzlich zu einem Link noch eigene Kommentare verschicken zu können.

Im Gegensatz zum per E-Mail verschickten Link zählt dabei auf Twitter jedes einzelne Zeichen. Linkverkürzer setzen deshalb gerne auf ungewöhnliche Top-Level-Domains und kreative Domain-Namen, um möglichst kurze Adressen zu produzieren. Zu den populärsten Diensten auf Twitter gehören derzeit Bit.ly, Is.gd, Owl.ly und Tr.im.

 

mehr: http://futurezone.orf.at/stories/1605630/





IPhone: Mit Vollgas ins Nirgendwo

16 06 2009

Mit der heiligen Messe zum Sommeranfang hat Apple “Speed” zum neuen Heilsruf erkoren. Auch der neue Firefox soll zehnmal so schnell sein wie der alte. Leider fühlt sich das Web auch damit so an, als würde man sich im Ferrari von einem Ikea-Parkplatz zum anderen bewegen.

Das iPhone ist jetzt wieder schneller geworden, das Betriebssystem auch, ich frage mich, warum ich dann immer mehr Zeit mit diesen Dingern verschwende. Vielleicht, weil es gar nicht so schnell vorangeht, wie man denkt. Sogar die Präsentation von Zeremonienmeister Phil Schiller dauerte dieses Jahr länger, als alle dachten , aber diese zwei Stunden mit vielen bunten Bildern und kleinen Kästen auf der Bühne machen ja Spaß.

Aber es kann nicht alle Tage WWDC sein, wie mein alter Freund Hubert zu sagen pflegt. Und deshalb freuen wir uns ja auch über den schnellsten Firefox aller Zeiten, der uns schneller surfen lässt als jemals zuvor. Denn der Browser ist doppelt so schnell wie 3.0 und zehnmal so schnell wie 2.0, sagt das Entwicklerteam. An 1.0 will ich hier gar nicht denken. Und wissen will ich auch, warum ich dann mit so langsamem Browser im Jammertal unendlich langsam ladender Seiten schier verendet bin?

Wer gibt mir meine Jugend zurück, die ich nächtelang bei schrittweisem Download von briefmarkengroßen Bildern vergeudet habe? Was hätte ich da schnell noch erledigen können, hätte es da 3.5 schon gegeben. Aber so … Da machen dann auch eine neue Suchmaschine und ein Alleswisser mit neuen Features auf, aber schneller gefunden habe ich seitdem auch nichts. So geht also auch mein restliches Leben dahin. Wehe, wenn mich diese Computer nicht wenigstens zum rasenden Rentner machen!

Dabei habe ich noch Glück. In anderen Ländern bremsen die mit einem Lächeln ihre Bürger beim Surfen aus. Und in anderen Staaten sind einfach immer noch die Leitungen schlecht. Aber hier: Ein Schwall aus Inhalten ergießt sich minütlich über meinen Schreibtisch. Manchmal komme ich mit dem Twittern nicht mehr mit. Das dauert, bis ich jedes Mal einen Account angelegt habe, um dann nie wieder unter dem gleichen Namen aufzutauchen. Wäre ja noch schöner. Viel schneller ist mein Facebook-Account auch nicht geworden, obwohl ich jetzt schon Vanity-URLs nutzen kann.

Aber wie heißt es schon seit dem Barock: Vanitas Vanitatis. Es scheint halt nur, dass alles schneller wird, in Wirklichkeit bremst mich mein PC mehr aus, als dass er mich beschleunigt. Mehr im Zimmerchen sitzen heißt weniger Leutchen kennenlernen (Die Online-Leute in Facebook sind eh nur Vanity-Pappnasen) und weniger an die frische Luft kommen. Ich drifte ab in immer schnelleren Updates auf immer schnelleren Computern und erreiche immer schneller den rasend interessanten Stillstand von um sich selbst herumkreisenden Blogs .

Und das alles rund um die Uhr, sogar schlafen kann man am Bildschirm. Deshalb werde ich immer langsamer auf meinem Weg zum Kühlschrank und bleibe wahrscheinlich das nächste Mal einfach in der Mitte des Gangs vor der Wohnzimmertüre stehen. So wie mein PC bei der Installation von Vista. Aber das ist eine andere Geschichte, was wollte ich doch gleich





PayPal dehnt Verkäuferschutz auf eBay aus

16 06 2009

Unbegrenzter Käuferschutz ab 15. Juni

Das Online-Bezahlsystem PayPal führt in Österreich am 15. Juni den unbegrenzten Käuferschutz beim Shoppen auf eBay ein. Bisher galt der Schutz nur für eine Summe von bis zu 1.000 Euro.

Einreichfrist beträgt 45 Tage

Der Käuferschutz gilt für Einkäufe auf eBay.at, die mit PayPal bezahlt wurden. Er tritt in Kraft, wenn ein Artikel vom Verkäufer nicht versendet wird oder erheblich von der Artikelbeschreibung abweicht. Ein Antrag auf Käuferschutz kann innerhalb der ersten 45 Tage nach Bezahlung des Artikels eingereicht werden.

Verkäuferschutz für Händler

Auch für Online-Händler steht ein entsprechender Schutz zur Verfügung, bei dem keine zusätzlichen Gebühren anfallen. Damit sichern sich die Verkäufer gegen Risiken des Lastschriftverfahrens wie Kontounterdeckung und Kontomissbrauch, Rückbuchungen von Kreditkartenzahlungen sowie ungerechtfertigte Käuferbeschwerden ab.

Voraussetzungen für den Verkäuferschutz sind die Vorlage eines gültigen Versandnachweises und der Versand des Artikels möglichst innerhalb von sieben Tagen an die bei PayPal hinterlegte Adresse.