Serienweise Filmchen für das Netz

22 06 2009

In den 1990er Jahren wurden Versuche, das klassische TV-Serienkonzept ins Web zu übertragen, noch belächelt. Es fehlten die dazu notwendigen Technologien und Bandbreiten. Doch nun erleben professionell hergestellte “Webisodes” einen kleinen Boom, und Produktionsfirmen wittern ein lukratives Geschäft mit Werbung.

Bereits 1997 stellten die Macher der US-Krimiserie “Homicide” eine eigene Spin-off-Serie fürs Web her, die parallel zum Inhalt der Fernsehsendung entwickelt wurde. Das war lange bevor es Breitband gab und erreichte deshalb auch nicht genug Publikum, um erfolgreich sein zu können.

Für kürzere Aufmerksamkeitsspannen

Mittlerweile haben sich die technischen Voraussetzungen geändert, und es gibt immer mehr Serien und Formate, die eigens für das Web produziert werden. Diese Webserien begleiten und bewerben oft Fernsehserien – wie “24”, “Battlestar Galactica” und “Lost” – oder lehnen sich in ihren Inhalten und ihrer Erzählweise an Fernsehserien an.

In einem wesentlichen Punkt unterscheiden sie sich allerdings von diesen: Die einzelnen Episoden, auch “Webisodes” genannt, sind bedeutend kürzer und in der Regel nur wenige Minuten lang – ideal für die notorisch kurzen Aufmerksamkeitsspannen im Internet.

Die meisten Webserien werden in den USA produziert und spielen auch dort. Herausragend ist hier etwa “Prom Queen” (Ballkönigin), das mit über 20 Millionen Zusehern in der ersten Staffel zu den bis dato weltweit erfolgreichsten Webserien zählt. “Prom Queen” wurde von Vuguru entwickelt – einer ausschließlich auf Webserien spezialisierte Produktionsfirma, die der ehemalige Disney-Chef Michael Eisner leitet.

 

Deutsche Serie “Candy Girls” erfolgreich gestartet

Seit etwa einem Jahr werden allerdings auch im deutschsprachigen Raum vermehrt TV-ähnliche Formate speziell fürs Web entwickelt. Etwa die in Berlin produzierte und gedrehte Webserie “Candy Girls”, deren – aus 20 fünfminütigen Folgen bestehende – erste Staffel sich über zwei Millionen Zuschauer angesehen haben.

“Candy Girls” wurde nicht von innovativen jungen Filmemachern produziert, sondern von der in Berlin ansässigen Produktionsfirma Me, Myself & Eye Entertainment (MME), die eine Reihe von bekannten Fernsehformaten entwickelt hat, unter anderen “Zwei bei Kallwas”, “Bauer sucht Frau” und das Musikmagazin “Tracks” für den Kultursender Arte.

Nach dem Erfolg der “Candy Girls” hat MME Anfang dieses Jahres noch eine zweite Webserie gestartet: “Deer Lucy”, das die Geschichte einer jungen Sängerin erzählt, die nach Berlin zieht, um dort ihr Glück, die Liebe und künstlerischen Erfolg zu finden.

Marktentwicklung hängt von Werbepartnern ab

Werbung und Werbepartner sind ein wichtiger, oftmals auch entscheidender Faktor bei der Produktion und Finanzierung von Webserien. Die weitere Entwicklung in diesem Bereich wird auch wesentlich davon abhängen, ob die Werbewirtschaft das neue Genre für sich entdeckt und wie sie es fördern wird.

Das Problem bei Videoplattformen und Sozialen Netzwerken war bisher, dass die dort angebotenen und konsumierten Inhalte den Firmen zu amateurhaft und unberechenbar waren. Welche Marke möchte schon gern unmittelbar neben Hoppala- oder Prügelvideos wahrgenommen werden? In einem Umfeld zugleich populärer und professionell produzierter Inhalte treten Marken da schon lieber auf – und Webserien erfüllen diese Anforderungen ideal.

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