IPhone: Mit Vollgas ins Nirgendwo

16 06 2009

Mit der heiligen Messe zum Sommeranfang hat Apple “Speed” zum neuen Heilsruf erkoren. Auch der neue Firefox soll zehnmal so schnell sein wie der alte. Leider fühlt sich das Web auch damit so an, als würde man sich im Ferrari von einem Ikea-Parkplatz zum anderen bewegen.

Das iPhone ist jetzt wieder schneller geworden, das Betriebssystem auch, ich frage mich, warum ich dann immer mehr Zeit mit diesen Dingern verschwende. Vielleicht, weil es gar nicht so schnell vorangeht, wie man denkt. Sogar die Präsentation von Zeremonienmeister Phil Schiller dauerte dieses Jahr länger, als alle dachten , aber diese zwei Stunden mit vielen bunten Bildern und kleinen Kästen auf der Bühne machen ja Spaß.

Aber es kann nicht alle Tage WWDC sein, wie mein alter Freund Hubert zu sagen pflegt. Und deshalb freuen wir uns ja auch über den schnellsten Firefox aller Zeiten, der uns schneller surfen lässt als jemals zuvor. Denn der Browser ist doppelt so schnell wie 3.0 und zehnmal so schnell wie 2.0, sagt das Entwicklerteam. An 1.0 will ich hier gar nicht denken. Und wissen will ich auch, warum ich dann mit so langsamem Browser im Jammertal unendlich langsam ladender Seiten schier verendet bin?

Wer gibt mir meine Jugend zurück, die ich nächtelang bei schrittweisem Download von briefmarkengroßen Bildern vergeudet habe? Was hätte ich da schnell noch erledigen können, hätte es da 3.5 schon gegeben. Aber so … Da machen dann auch eine neue Suchmaschine und ein Alleswisser mit neuen Features auf, aber schneller gefunden habe ich seitdem auch nichts. So geht also auch mein restliches Leben dahin. Wehe, wenn mich diese Computer nicht wenigstens zum rasenden Rentner machen!

Dabei habe ich noch Glück. In anderen Ländern bremsen die mit einem Lächeln ihre Bürger beim Surfen aus. Und in anderen Staaten sind einfach immer noch die Leitungen schlecht. Aber hier: Ein Schwall aus Inhalten ergießt sich minütlich über meinen Schreibtisch. Manchmal komme ich mit dem Twittern nicht mehr mit. Das dauert, bis ich jedes Mal einen Account angelegt habe, um dann nie wieder unter dem gleichen Namen aufzutauchen. Wäre ja noch schöner. Viel schneller ist mein Facebook-Account auch nicht geworden, obwohl ich jetzt schon Vanity-URLs nutzen kann.

Aber wie heißt es schon seit dem Barock: Vanitas Vanitatis. Es scheint halt nur, dass alles schneller wird, in Wirklichkeit bremst mich mein PC mehr aus, als dass er mich beschleunigt. Mehr im Zimmerchen sitzen heißt weniger Leutchen kennenlernen (Die Online-Leute in Facebook sind eh nur Vanity-Pappnasen) und weniger an die frische Luft kommen. Ich drifte ab in immer schnelleren Updates auf immer schnelleren Computern und erreiche immer schneller den rasend interessanten Stillstand von um sich selbst herumkreisenden Blogs .

Und das alles rund um die Uhr, sogar schlafen kann man am Bildschirm. Deshalb werde ich immer langsamer auf meinem Weg zum Kühlschrank und bleibe wahrscheinlich das nächste Mal einfach in der Mitte des Gangs vor der Wohnzimmertüre stehen. So wie mein PC bei der Installation von Vista. Aber das ist eine andere Geschichte, was wollte ich doch gleich

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